Accessibility und Awareness sind für uns unverzichtbar.
Awareness-Konzept SAR-Camp 4.-7.9.25
Was ist Awareness?
„Awareness“ kommt aus dem Englischen „to be aware“ und heißt so viel wie „sich bewusst sein, sensibilisiert sein“. Hier geht es vor allem um das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für Situationen, in denen du und/oder andere übergriffiges, grenzverletzendes oder diskriminierendes Verhalten erleben. Die Praxis der Awareness-Arbeit hat ihren Ursprung in Schwarzen und indigenen Bewegungen. Dabei handelt es sich um eine Form der Selbstorganisation, die sogenannte „restorative“ oder „transformative justice“, die ermöglichen möchte, Konflikte unabhängig von gewaltsamer staatlicher Straflogik zu lösen.
Als Konzept stellt sich Awareness als antidiskriminatorische Praxis gegen jede Form von Diskriminierung, wie Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, Sexismus und Klassismus, gegen Gewalt und Grenzverletzung. Im Idealfall können Grenzüberschreitungen durch eine Bewusstmachung von diskriminierenden Strukturen bereits im Voraus vermieden werden. Allerdings ist strukturelle Diskriminierung fest in unserer Gesellschaft verankert. Kein Mensch ist ganz vorurteilsfrei und diskriminierungsfrei im Umgang mit anderen. Deshalb braucht es eine bewusste Reflexion und Struktur, um Diskriminierungen aufzufangen. Es ist unmöglich, für alle Menschen einen sicheren Raum zu bieten. Wir versuchen aber, unser Camp zu einem safer space zu machen, wofür Awareness-Arbeit unerlässlich ist.
Wir wollen dich und uns alle deshalb dazu anhalten, auf uns selbst und das Wohlbefinden unserer Mitmenschen zu achten und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Einen Namen richtig auszusprechen oder das richtige Pronomen zu verwenden, kann schon einen großen Unterschied machen! Reflektiere dich selbst – wir alle sind mit dem Lernen niemals fertig.
2. Das Awareness Team
Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen wir uns unwohl fühlen, gerade in Räumen mit vielen anderen Menschen. Das kann einerseits durch diskriminierendes und grenzverletzendes Verhalten anderer passieren, aber auch dadurch, dass wir zum Beispiel durch bestimmte Auslöser an vergangene Situationen erinnert werden, in denen wir persönlich etwas Verletzendes erlebt haben. Diese Auslöser werden Trigger genannt und können alle möglichen Formen annehmen, zum Beispiel Gerüche, Geräusche, Bilder, Verhalten anderer und vieles mehr. Diese Erinnerungen können uns dann stark emotional belasten.
Falls es zu Situationen kommt, in der du und/oder andere getriggert werden oder Diskriminierung erfahren, ist das Awareness-Team für dich da. Dabei kann es beispielsweise um Wahrnehmungen von Machtgefälle, Benachteiligung, Grenzüberschreitungen und die Überwindung akuter Trigger gehen. Das Awareness-Team soll sicherstellen, dass es nicht zu wiederholten Diskriminierungen kommt. Es ist stets ansprechbar für alle und an gut sichtbaren lila Westen zu erkennen. Es besteht aus insgesamt fünf bis sechs Personen und ist unter anderem im Awareness-Bereich zu finden. Außerdem gibt es auch mobile Mitglieder des Awareness-Teams, die bei einzelnen Veranstaltungen und besonders bei Party-Kontexten in Zweier-Teams anwesend sind. Du kannst darüber hinaus auch andere Menschen an der Bar und am Info-Point ansprechen, die dann für dich das Awareness-Team kontaktieren. Es gibt zusätzlich ein Awareness-Handy, das rund um die Uhr erreichbar ist.
Das Awareness-Team unterstützt dich als betroffene Person von grenzüberschreitendem Verhalten aktiv und ist dabei betroffenensolidarisch. Es hört also zu und stellt deine Erfahrungen nicht in Frage. Du hast die Definitionsmacht über das Geschehene. Das bedeutet, dass nur du alleine entscheiden kannst, wo deine Grenzen liegen und damit auch nur du definieren kannst, wann diese überschritten wurden. Das Awareness-Team richtet sich nach deinen Wünschen und Bedürfnissen als betroffen Person und ist parteilich mit dir.
Es wird also immer gemeinsam, wenn gewünscht auch gerne mit Vertrauenspersonen, darüber nachgedacht und beschlossen, wie du als betroffene Person am besten mit dem Erlebten umgehen kannst. Dabei bietet das Awareness-Team Beratung, aktives Einschreiten, klärende Gespräche und Infos über mögliche Hilfeleistungen. Sämtliche Gespräche finden stets vertraulich statt. In Konfliktsituationen geht das Awareness-Team deeskalierend vor und versucht, zur Lösung von Konflikten beizutragen. Dabei steht es für eine gewaltfreie Kommunikation ein und hat nicht den Anspruch, Menschen für ihr Verhalten zu bestrafen, sondern alle Parteien dazu anzuregen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
3. Der Awareness Bereich
Es gibt einen Awareness-Bereich, den du aufsuchen kannst, um dich in geschütztem Rahmen an das Awareness-Team zu wenden. Du findest diesen ausgeschildert und gut gekennzeichnet. Es ist ein Ort, um in oder nach einer belastenden Situation nicht alleine zu sein. Er eignet sich außerdem gut, um das Gespräch mit dem Awareness-Team zu suchen. Der Awareness-Bereich dient generell als Rückzugsort nach triggernden und/oder diskriminierenden Erlebnissen. Du kannst den Awareness-Bereich also auch nutzen, ohne direkt die Angebote des Awareness-Teams in Anspruch zu nehmen, aber dort ist stets mindestens eine Person des Awareness-Teams zu finden.
Wenn du einfach einen Moment Ruhe brauchst und für dich sein möchtest, gibt es außerdem einen Ruhebereich. Er ist ebenfalls ausgeschildert und gut gekennzeichnet. Der Ruhebereich ist immer offen und kann jederzeit als Rückzugsort genutzt werden.
Sowohl Awareness- als auch Ruhebereich sind Orte, an denen bitte nicht konsumiert werden soll, dazu gehört auch Rauchen und Alkohol.
Außerdem haben wir ein Sanitäter*innen-Team vor Ort, welches du im Sani-Raum findest. Die Sanitäter*innen helfen bei allen Formen von körperlichen Beschwerden. Wende dich in einem solchen Fall also gerne an die Sanis und nicht das Awareness-Team.
4. Triggerwarnungen and Content Notes
Je nach deiner persönlichen Geschichte und deinen eigenen Erfahrungen können dich ganz individuell Situationen triggern. Auch das können wir leider nicht vollständig verhindern. Themen wie Flucht und das europäische Grenz- und Asylregime sind äußerst gewaltvoll und können für dich als betroffene Person sehr stark triggernd sein. Um triggernde Situationen trotzdem möglichst gering zu halten, werden vor den einzelnen Veranstaltungen Content Notes gegeben, die mögliche triggernde Themen auflisten, sodass du dich auf den Inhalt einstellen und selbstständig entscheiden kannst, ob du bleiben und dich mit diesen Themen aussetzen möchtest oder nicht. Natürlich können alle Veranstaltungen jederzeit verlassen werden, auch mittendrin.
Und jetzt – hab eine tolle Zeit auf unserem Camp!
Accessibility Concept SAR Camp September 4–7, 2025
ANREISE
Das Camp findet in Biesenthal statt. Der nächstgelegene Bahnhof ist Bernau. Der Bahnhof ist stufenlos zugänglich und verfügt über Bodenindikatoren und taktile Leitelemente
(https://www.bahnhof.de/en/bernau-b-berlin).
Um zum Camp zu gelangen, musst du den Bus nehmen. Zusätzlich bieten wir einen Shuttle-Service von der Bushaltestelle an. Leider ist der Shuttle nicht rollstuhlgerecht. Von der Bushaltestelle sind es noch 20 Minuten zu Fuß um einen See herum über unbefestigte Parkwege. Alternativ kannst du den längeren Weg über befestigte Straßen nehmen, der etwa 30 Minuten dauert.
Wir bitten dich, aufgrund der begrenzten Parkmöglichkeiten nach Möglichkeit nicht mit dem Auto anzureisen. Bei Bedarf ist es jedoch möglich, mit dem Auto anzureisen und in der Nähe des Eingangs zu parken.
AREA
OUTDOOR
Das Camp liegt am Ufer eines Sees und ist von Bäumen umgeben. Der Boden ist naturbelassen und besteht hauptsächlich aus Gras. Der Großteil des Programms sowie die Mahlzeiten finden im Freien statt. Nachts wird für Beleuchtung gesorgt. Allerdings können wir nicht den gesamten Bereich ausleuchten, sodass Wurzeln oder unebene Wege möglicherweise schwer zu erkennen sind. Wir empfehlen Ihnen, eine Taschenlampe mitzubringen.
Der See am Standort hat flache Ufer und ist nur über einen Sandstrand zugänglich. Die Sauna ist ein unebener, schmaler Raum und nur über Stufen zugänglich.
Zwei der Häuser haben Veranden. Diese bestehen aus Holzplanken mit Zwischenräumen. Beide sind über Rampen zugänglich, die 85 cm breit sind und eine etwa 2 cm hohe Kante haben.
INDOOR
Einige Workshops finden in Innenräumen statt. Leider sind einige dieser Räume nur über Stufen erreichbar. Die Stufen sind nicht gekennzeichnet. Teil uns bitte im Voraus mit, wenn du an einem Workshop teilnehmen möchtest, der für dich nicht zugänglich ist, damit wir versuchen können, den Veranstaltungsort zu ändern oder dich auf andere Weise zu unterstützen.
Die Türen sind leicht und haben Türgriffe statt Knöpfe, aber die meisten sind nicht breiter als 80 cm. Das gilt auch für das Schlafen im Innenbereich.
SCHLAFEN
Wenn du nicht in einem Zelt schlafen kannst, besteht die Möglichkeit, ein Bett in einer Gemeinschaftshütte/einem Gemeinschaftsraum zu nutzen. Du müsstest eigene Bettwäsche/Schlafsack mitbringen. Bitte teile uns mit, wenn du einen der Schlafplätze im Innenbereich nutzen möchten. Wie oben erwähnt, sind diese nur über Stufen erreichbar.
RÄUMLICHKEITEN
Es wird einen ruhigen Ort geben, an dem sich die Menschen beruhigen und ausruhen können. Er wird jederzeit für alle zugänglich sein.
Vor Ort gibt es eine Bar, an der alkoholische und alkoholfreie Getränke serviert werden, sowie einen Kaffeewagen.
Im Essbereich und während der Workshops stehen in der Regel Bänke ohne Rückenlehne zur Verfügung. Klappstühle kannst du jedoch am Infopoint erhalten.
SANITÄRANLAGEN
Es wird eine rollstuhlgerechte Toilette und einen Bereich zum Aufladen von Elektrogeräten geben.
MEDIZINISCHE VERSORGUNG
Für medizinische Notfälle vor Ort steht Ihnen unser Erste-Hilfe-Team zur Verfügung. Wir haben einen Kühlschrank vor Ort, in dem du deine Medikamente aufbewahren kannst.
Bei der Anmeldung können Sie uns eventuelle Allergien mitteilen, damit unser Küchenteam bei Bedarf eine zusätzliche Mahlzeit bereitstellen kann.
KINDER
Es wird einen Kinderbereich im Camp geben – ein offenes Zelt, das sich in der Mitte des Geländes befindet. Die Kinderbetreuung ist Teil des partizipativen Konzepts des Camps – die Betreuungsschichten werden von den Teilnehmenden des Camps übernommen. Wenn du eine Kinderbetreuung benötigst, gib dies bitte beim Kauf deines Tickets an – wir senden dir dann rechtzeitig vor dem Camp weitere Informationen zu.
SPRACHE
Die Hauptsprachen des Camps sind Deutsch und Englisch. Die Sprache der Programmpunkte wird auf der Programmtafel angegeben.
Wir werden versuchen, bei Bedarf eine Simultanübersetzung anzubieten, damit der Inhalt für möglichst viele Menschen zugänglich ist. Bei der Registrierung für ein Ticket kannst du uns mitteilen, ob eine Übersetzung benötigst oder ob du beim Dolmetschen helfen könntest.
Während des Camps komm bitte zum Infopoint, um uns mitzuteilen, wenn du eine Übersetzung benötigst.
Leider können wir voraussichtlich keine Verdolmetschung in Gebärdensprache anbieten.
AWARENESS
Während der gesamten Dauer des Camps wird ein Awareness-Team vor Ort sein und es wird einen speziellen Awareness-Bereich geben. Das Team ist außerdem rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Die Awareness-Schichten werden von den Teilnehmenden des Camps übernommen, wobei einige erfahrene Personen im Hintergrund die Schichten koordinieren und Briefings geben werden.
Weitere Informationen zum Awareness-Team und seiner Arbeit findest du im Awareness-Konzept.
KONTAKTIERE UNS
Generell möchten wir das Camp so barrierefrei wie möglich gestalten. Wenn du besondere Bedürfnisse hast oder weitere Informationen benötigst, wende dichbitte an camp@sea-watch.org.